Die originalen Flüchtlingsschuhe aus der Botschaft habe ich immer noch zu Hause
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André Weiss wurde am 28. April 1965 als Sohn eines Automechanikers in Dresden geboren. Nach und nach erkannte er die Nachteile des Lebens im sozialistischen System der DDR und dachte nach seiner Heirat über eine Flucht in die BRD nach. Er und seine Frau besprachen dies bereits auf einer Urlaubsreise nach Ungarn im Frühjahr 1989, aber die endgültige Entscheidung fiel am 22. September, als ihr Ausreiseantrag ohne Angabe von Gründen abgelehnt wurde. Spontan stiegen sie in ihren Trabant und fuhren in Richtung der tschechoslowakischen Grenze. Sie kehrten jedoch lieber um und flohen erst am 26. September. Sehr früh am Morgen waren sie bereits bei der Botschaft der BRD in Prag und überwanden mit Hilfe anderer Flüchtlinge erfolgreich den Zaun. Das Gefühl der Sicherheit war jedoch weiterhin von Ängsten und Unsicherheiten begleitet. Diese verschwanden vier Tage später nach der Rede von Hans-Dietrich Genscher, der ihnen die Nachricht von der sicheren Ausreise aller Flüchtlinge in die BRD überbrachte. Nach einer nächtlichen Zugfahrt kamen sie in Schwandorf an, wo sie bald Arbeit und Unterkunft fanden. Neben seiner Arbeit als Klempner studierte André Weiss im Westen auch Fernstudium, entschied sich aber schließlich gemeinsam mit seiner Frau für die Rückkehr. Seit 1994 lebt er also wieder in der Nähe von Dresden und erinnert sich dankbar an die Hilfe der Menschen in Westdeutschland. Ebenso dankbar ist er für die Möglichkeit, in einer Demokratie zu leben.