Im Jahr 1968 protestierte ich gegen die Invasion in die Tschechoslowakei. Das half mir, der Mensch zu werden, der ich sein wollte.
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Der im März 1949 geborene Michael Brack wuchs im Nachkriegs-Berlin auf. Der Bau der Berliner Mauer trennte seine Familie. Als Teenager erkannte er die Verlogenheit des kommunistischen Regimes, hörte Beatles und Rolling Stones, ließ sich lange Haare wachsen und besuchte Rockkonzerte. Im Sommer 1968 reiste er mehrmals nach Prag, wo ihn die entspannte Atmosphäre faszinierte. Als er am 21. August 1968 im Radio vom Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei erfuhr, beschloss er sofort zu handeln. Zusammen mit seinem Freund Wolfgang Püschel nahmen sie Farbe und Pinsel und beschrifteten in der Nacht fünf Mauern am Bahnhof: Es lebe Dubček! Freiheit für die ČSSR! Als dann Menschen verhaftet wurden, die gegen den Einmarsch protestierten, versteckte sich Michael Brack drei Wochen lang bei Verwandten auf einem Bauernhof. Die Geheimpolizei Stasi verhaftete ihn unerwartet erst im Herbst 1969. Er verbrachte mehrere Wochen in verschiedenen Gefängnissen. Nach seiner Entlassung aus der Haft nahm sich der Dissident Gerd Poppe mit seiner Frau Ulrike seiner an. In ihrer Berliner Wohnung lernte er auch den Liedermacher Wolf Biermann, die Malerin Bärbel Bohley und andere Dissidenten kennen. Seine Freunde verhalfen ihm zu einem Studienplatz, doch aufgrund seines Einberufungsbefehls musste er sein Studium der Schauspielerei und Theaterwissenschaften abbrechen. Er diente bei den sogenannten Bausoldaten. Nach seiner Heirat zog er mit seiner Frau auf einen Bauernhof in Hartmannsdorf bei Berlin. Er züchtete Schafe, veranstaltete auf dem Hof Treffen ostdeutscher Dissidenten und unterstützte auch die Solidarność-Bewegung in Polen materiell. Nach dem Fall der Berliner Mauer gründete Michael Brack eine lokale Zelle des Neuen Forums und wurde bei den Kommunalwahlen im Herbst 1990 zum Bürgermeister von Hartmannsdorf gewählt, woraufhin er gleichzeitig Verwaltungsrecht studierte. Seit seiner Pensionierung ist er als Zeitzeuge und Besucherreferent in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen - im ehemaligen Stasi-Gefängnis - tätig. Im Jahre 2025 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.