Ing. Walter Hecht

* 1932

  • „Das war eigentlich der letzte Transport, der von uns herausging. Er sollte ursprünglich nach Bayern gehen, aber die Amerikaner haben das nicht zugelassen. Die haben ihn nicht angenommen. Der Zug musste wenden und ist dann über Altenburg nach Leipzig hochgefahren und von Leipzig nach Torgau an der Elbe. Dort wurden wir ausgeladen, kamen dort in die Zitenkaserne. Vier Wochen Quarantäne. Nach den vier Wochen Quarantäne wurden wir dann mit der Polizei in der Stadt Torgau eingewiesen. Das ging nicht immer alles so ohne Schwierigkeiten. Wir bekamen eine Wohnung. Wohnung ist sehr lächerlich. Ein Zimmer, ein Loch. Wir waren vier Personen. Wir hatten nur ein stählernes Bett, ein Doppelstockbett. Unten auf dem Stroh schliefen meine Eltern. In der ersten Etage schliefen meine Schwester und ich. Dann hatten wir einen kleinen Tisch, der war nicht größer als dieses Tischchen hier. Zwei Stühle und das war unser ganzes Mobiliar.“

  • „Und dann ist meine Mutter nach Braunau-Olivětín, also zum Ölberg,Braunau 2. Zu ihrer Schwester. Aber die Schwester hatte schon eine andere Frau mit zwei Kindern aufgenommen. Nun wären wir auch wieder drei gewesen. Und sie musste noch arbeiten gehen in die Fabrik. Und da haben wir das anders gemacht. Meine Mutter ist mit meiner Schwester da geblieben.Und ich bin ein ganzes Jahr illegal beim Großvater in Martínkovice gewesen.“

  • „Ein schöner, warmer Tag. Ich war im nahegelegenen Teich baden. Und es ist mir sonst nie passiert, dass ich so schnell wieder zurückgekommen bin und nach Hause gegangen bin, obwohl das Wetter wunderschön war. Und als ich nach Hause kam und kam an unser Haus, da sah ich uniformierte Leute mit Waffen dastehen. Ich denke, was ist hier los? Ich hatte keinen Schlüssel, ich kam nicht rein. Meine Mutter war bei einer Bekannten eine Straße weiter. Aber ich konnte dann am Balkon hochklettern. Und ich habe gesehen, dass die Balkontür offen war. Da bin ich hinein und bin in die Wohnung gekommen. Plötzlich hat es draußen gehämmert. Und da wurde in einem schlechten Deutsch gesagt, noch 20 Minuten. Ich wusste gar nicht, was in 20 Minuten ist. Aber dann dämmerte es mir. Und ich habe schnell noch etwas, was ich mit meinen knapp 15 Jahren zusammenraffen konnte, zusammengerafft und dachte, das nehme ich jetzt mit. Das war natürlich unnötiges Zeug. Briefmarken und solches Zeug. Dann kam meine Mutter, als sie es erfahren hat,hat sie einen Anfall gekriegt, Ohnmachtsanfall. Und bis sie dann wieder kam, hatte sie nur noch 10 Minuten Zeit. Sie konnte kaum noch etwas Richtiges zusammennehmen.“

  • Full recordings
  • 1

    Bad Kissingen, 12.07.2025

    (audio)
    duration: 01:32:30
    media recorded in project Příběhy regionu - HRK REG ED
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Er hatte zwanzig Minuten um zu packen und sah Braunau erst nach fünfzehn Jahren wieder

Hochzeitsfoto von Walter und Elisabeth Hecht, 25. März 1958
Hochzeitsfoto von Walter und Elisabeth Hecht, 25. März 1958
photo: Archiv eines Memorialisten

Walter Hecht wurde am 5. Mai 1932 in Velká Ves (Großdorf) im Bezirk Broumov als Sohn der deutschen Familie von August Hecht und Berta, geborene Walzel, geboren. Er hatte eine jüngere Schwester namens Gitta. Sein Vater wurde als Angehöriger der deutschen Armee im Mai 1945 in Dänemark verwundet. Er erlebte den Einmarsch der sowjetischen Armee in Broumov. Im Juni 1945 musste er mit seiner Mutter und seiner kleinen Schwester im Rahmen der wilden Vertreibung ihre Wohnung verlassen und in das Lager Heidensteg in Broumov ziehen. Nach seiner Entlassung aus dem Lager lebte er bis 1947 illegal bei seinem Großvater Albin Walzel in Martínkovice. 1947 meldete sich seine Mutter zur Vertreibung, nach einem Aufenthalt im Lager in Meziměstí wurden sie mit einem Transport nach Torgau an der Elbe in der sowjetischen Zone gebracht. Nach dem Gymnasium absolvierte er eine Ausbildung zum technischen Zeichner und arbeitete in einem Konstruktionsbüro in Leuna. Von 1952 bis 1955 studierte er in Roßwein und wurde Ingenieur. Seine zweijährige Wehrpflicht absolvierte er in Marienberg, wo ihn die Stasi, die Geheimpolizei der DDR, zum Auskundschaften aufforderte. Er heiratete in 1958 und hatte einen Sohn und eine Tochter. Er arbeitete bei der Deutschen Bahn und studierte an der Technischen Universität Dresden. Seit 1960 fuhr er regelmäßig nach Broumov. Er war an der Herausgabe der Zeitschrift des Braunauer Heimatvereins „Braunauer Rundbrief“ beteiligt. Im Jahr 2016 erhielt er die Ehrenurkunde der Stadt Broumov. Im Jahr 2025 lebte er in Leipzig.