Karl Affenzeller

* 1950

  • „Was mir so einfiel, als die sudetischen Deutschen vertrieben wurden, dass keine Arbeitskräfte mehr übrigblieben. Die Kühe starben, hatten Hunger, waren krank. Ich erinnere mich, dass mein Vater mir sagte der Rasen sei seit zwanzig Jahren nicht mehr gemäht wurden. Ich sehe es wie heute vor mir, die Tschechischen in den Blaumännern, welche kamen um ihn zu mähen. Weiter war die Qualität des Futters der Landwirtschaft im schrecklichen Zustand. da das Futter so schlecht war. Die Ernte richtete sich nach dem Wetter, gutes Futter verdankte man einer guten Ernte. Der Sachverstand dieser Menschen war kaum vorhanden, da sie abgeschoben waren und jemand anders hier eingesetzt wurde, welcher entweder Garnichts wusste oder nur ganz wenig von der Landwirtschaft wusste.“

  • „Damlas haben wir als Kinder ein verlassener Hof besucht, er war zur Hälfte verstört, es waren dort aber Maschinen und Karren. Wir waren nicht einmal eingetreten und schon stand dort ein Grenzhüter mit einem Hund und fragte uns was wir dort machten. So antwortet wir das wir neugierig waren. Es war in Ordnung er sagte uns aber wir sollten nicht zurückkehren.“

  • „Meine Großmutter kommt aus Oppolz, heute heißt sie Tichá. Früher sagte man: „, wenn du aus den Sudeten nach §osterreich einheiratetest wirst du Hunger leiden.“ Bei uns war es schlimmer. In Cetvin war ein großes Fest, meist um den Heiligen Sebastian herum- benannt nach dem Heiligen. Dort haben sich wahrscheinlich meine Großeltern kennengelernt. Es war keine einfache Zeit. Jeder der seine eigene Landwirtschaft hatte, konnte sich um sich selbst kümmern, den erging es gut, die hatten was u essen. Dies war bei Familien von Angestellten nicht so.“

  • „Die Erschütterungen waren so stark, dass in Leopoldschlag erzählt wurde: „die Suppe goss vom Teller. So stark waren die Erschütterungen. Wahrscheinlich aufgrund ähnlicher Beschwerden bekam die Bewohner dann Entschädigungen von Ämtern. Karl erinnert, dass ein Zöllner dann einzelne Familien besuchte um ihnen mitzuteilen: „Morgen um halb zwei kommt es zu Schüssen, bitte öffnen sie lieber ihre Fenster damit sie nicht durch die Druckwelle zerstört werden.“ Das waren die Erschütterungen in Cetvin.

  • Full recordings
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    Freistadt, 02.09.2020

    (audio)
    duration: 53:38
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Wenn du aus den Sudeten nach Österreich heiratest, wirst du Hunger leiden…die haben dort nichts Ordentliches

Karl Affenzeller in childhood
Karl Affenzeller in childhood
photo: witness archive

Karl Affenzeller ist am 13.August 1950 im österreichischen Mairspindt bei Windhaagen geboren. Seine Großmutter Tereza (die Mutter seines Vaters) kam aus dem Ort Tichá und heiratete in Mairspindt ein. Der Vater Franz Affenzeller rückte im zweiten Weltkrieg in die Wehrmacht ein und kam aus französischer Gefangenschaft erst im Jahr 1947 zurück. Mit seiner zukünftigen Frau Rosina Drechsler lernte er sich auf einer Feier in Cetvina kennen, ein Jahr später heiraten die beiden. Ihr Familienbauernhof bei Rieserung gemeinsam mit den Grundstücken führte an der Malše und am Grenzstreifen vorbei. Karl Affenzeller war Zeuge der Abschüsse der Cetviner Häuser in den 50.Jahren und der Besetzung der Grenztürme am Eisernen Vorhang. Im Jahr 1967 begab er sich mit einem Moped nach České Budějovice. Mit 25 übernahm er die Arbeiten auf dem Bauernhof seiner Eltern. Heute betreibt er bei der Steinbrücke ein Gasthaus und eine Pension für tschechische und österreichische Touristen.