Liebenau ist verschwunden, statt Vaters Wagnerei fand sie eine erwachsene Lärche
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Christina John wurde am 4. September 1940 in Liebenau (Libná) bei Wekelsdorf (Teplice nad Metují) geboren. Ihr Vater Josef Paßler betrieb eine eigene Wagnerei und hatte zusammen mit ihrer Mutter Emma, geborene John, einen kleinen Bauernhof. Ihr älterer Bruder Hubert war seit seiner Geburt körperlich behindert. Ihr Vater fiel am Ende des Krieges bei der Stadt Pula in Istrien. Sie erlebte den Einmarsch der sowjetischen Armee in Liebenau. Im Juni 1945 wurde ihre alte Tante im Rahmen der wilden Vertreibung nach Deutschland geschickt, sie ging zweihundert Kilometer von Bautzen zurück nach Liebenau zu Fuß. Im März 1946 wurden sie über das Lager in Halbstadt (Meziměstí) in die westliche Besatzungszone Deutschlands umgesiedelt. Von Würzburg aus schickte man sie nach Dettingen am Main, wo man ihnen ein Zimmer zuwies. 1947 kam sie in die Schule. Von 1954 bis 1957 besuchte sie die Mittelschule in Alzenau und von 1958 bis 1960 lernte sie Krankenpflege in Aschaffenburg, wo sie anschließend im Krankenhaus arbeitete. In den Jahren 1966 bis 1969 erweiterte sie ihre Ausbildung durch ein Studium der Sozialarbeit in Frankfurt am Main. 1973 heiratete sie und später bekam sie drei Kinder. 1974 besuchte sie zum ersten Mal seit der Vertreibung den Dorf Liebenau, den es nicht mehr gab. Im Jahr 2025 lebte sie in Herzogenaurach in Bayern.